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Mein Hund ist ├Ąngstlich


Was kann ich tun? Mein Hund ist ├Ąngstlich.

(Autor: Univ.-Prof. Dr. Hermann Bubna-Littitz)

Kaum ein Hundehalter ist nicht schon damit konfrontiert worden. Sind Angst und Furcht ein Normalverhalten oder eine Verhaltensst├Ârung? Im Folgenden Antwort und Rat des bekannten Wiener Tierpsychologen Univ.-Prof. Dr. Bubna-Littitz.



Sowohl die Angst wie auch die Furcht stellen ein Normalverhalten dar, soweit sie der Situation angemessen sind: Jeder, der bei einer Gebirgswanderung ein Gewitter erlebt hat, wird Angst empfunden haben. Ich verwende hier den Begriff Angst, da hier meist keine objektive Beurteilung der Situation gegeben ist. Zeigt hingegen ein Hund Angstsymptomatik oder gar Panikreaktion auch nur beim leisesten Knallger├Ąusch, so liegt eine Verhaltensst├Ârung vor.

Solche Reaktionen werden h├Ąufig sogar vom Hundef├╝hrer gef├Ârdert, wie folgende vier grunds├Ątzliche Beispiele zeigen:

1. Unabsichtliche Verst├Ąrkung
Der Hund zeigt bei einer bestimmten Situation Angst. Der Besitzer spricht beruhigend auf ihn ein (ÔÇ×Brav, Brav ist nichts passiert ÔÇŽ") und streichelt ihn. Die Angstreaktion wird damit unabsichtlich belohnt und verst├Ąrkt sich von Mal zu Mal.

2. Stimmungs├╝bertragung
Sehr viele Besitzer zeigen selbst Furcht vor der Angstreaktion ihres Hundes (ÔÇ×Was wird denn heute wieder passieren, wenn ich mit meinem Hund spazieren gehe?"). Diese Stimmung ├╝bertr├Ągt sich auf den Hund ( Wenn sogar der Rudelf├╝hrer Angst hat, muss es doch wirklich furchtbar sein !).

3. Verkn├╝pfung mit Strafreiz
Der Hundef├╝hrer bestraft den Hund durch Anschreien, Rei├čen an der Leine oder gar Schlagen. Kehren wir zur├╝ck zum Beispiel des leisen Knallger├Ąusches: Das Ger├Ąusch tritt auf, der Hund zeigt Angstsymptomatik und erh├Ąlt einen Strafreiz von seinem Besitzer. Das Tier verkn├╝pft das Knallger├Ąusch mit einem Strafreiz und die Angst wird noch gr├Â├čer.

4. Dominanzproblem
Manchmal ist die Angstsymptomatik mit einem Dominanzproblem verkn├╝pft: Die erste Stelle des Hundef├╝hrers in der Rangordnung Mensch-Hund ist nicht entsprechend abgesichert. In der N├Ąhe eines eindeutig dominanten Rudelf├╝hrers f├╝hlen sich die Rudelmitglieder sicherer als in der N├Ąhe eines Rudelmitgliedes, das nicht klar ├╝berlegen ist.


Wie soll man sich verhalten?
Es gibt viele Meinungen dar├╝ber, wie man sich in Situationen verhalten soll, wenn der Hund Angst zeigt. Meine pers├Ânliche Meinung ist folgende: Der Hundef├╝hrer sollte sich ruhig und neutral verhalten. Durch ein Lautzeichen (Sitz oder Platz) sollte man dem Hund Gelegenheit verschaffen wahrzunehmen, dass nichts Bedrohliches vorhanden ist. Sollte das Lautzeichen aufgrund der Panikstimmung des Hundes nicht mehr angenommen werden, so kann man - zumindest bei kleinen Hunden - versuchen, ihn festzuhalten (z.B. wenn er wegzieht, von hinten an die Vorderbrust greifen und halten). In schweren F├Ąllen wird aber verhaltenstherapeutisches Training und eventuell der Einsatz von Medikamenten notwendig sein.


Auch Mangel an Angst ist ein Problem!
Abschlie├čend sei erw├Ąhnt, dass auch der Mangel an Angst bzw. Furcht als Verhaltensst├Ârung gesehen werden kann: Man kennt beim Menschen Krankheitsbilder aus der klinischen Psychologie: Diese Patienten gehen ohne jedwede Angst und Furcht Risiken beispielsweise in Sport und Stra├čenverkehr ein und gef├Ąhrden damit sich selbst und andere. Bei Hunden k├Ânnte man in diesem Zusammenhang als Beispiel die Vertreter kleinw├╝chsiger Rassen anf├╝hren, die ohne Z├Âgern die gr├Â├čten Artgenossen attackieren.

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Literatur zu diesem Thema:
Zur Definition der Begriffe Angst und Furcht (P. Meyer: Taschenlexikon der Verhaltenskunde, 2. Auflage, UTB f. Wissenschaft 609, F. Sch├Âningh Verlag Padeborn, M├╝nchen; M├╝nchen; Wien;Z├╝rich 1984).

Angst: Leidget├Ânte, polyvalente, konfliktbeladene Stimmung, die aus einer unbestimmten Bedrohung resultiert (keine Situationsbeurteilung im Gegensatz zur Furcht).

Furcht: Auf ein bestimmtes Objekt bezogenes oder aus einer bestimmten Konfliktsituation resultierendes Gef├╝hl (psychisches Erleben und physiologischer Zustand) des Bedrohtseins.