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Fiaker in Wien


DIE BEZIRKSVORSTEHERIN DES 1. BEZIRKES DER STADT WIEN
1013 Wien, WipplingerstraĂźe 8
Tel. 01/4000/01111, Fax 01/4000 99/01120
Email: post@bv01.wien.gv.at

BV 1 – A 3157/07/FIAKER
Wien, 22. August 2007 amb/kre

Frau
Brigitte Höss-Filipp
Private Tierschutzinitiative

Sehr geehrte Frau Höss-Filipp!

Vielen Dank fĂĽr die Ăśbermittlung der Informationen ĂĽber Ihre Einstellung zum Thema Fiaker bzw. Fiakerpferde.

Aufgrund meiner bisherigen Erfahrungen sehe ich kaum eine Chance, dem Wunsch vieler Tierfreunde zu entsprechen, dass die Fiaker künftig nicht mehr in der City son-dern zb. nur mehr in Schönbrunn fahren dürfen. Diese alte Wiener Tradition aus der Innenstadt zu entfernen halte ich für ein kaum umsetzbares Ziel. Was hingegen sehr wohl umsetzbar ist – und dafür setze ich mich als Politikerin mit großem Nachdruck ein – ist die Verbesserung der Bedingungen für die Pferde. Dazu zählt die Tierhaltung an sich, die Intensivierung der veterinärmedizinischen Kontrollen, sowie die Frage der Standorte in der Innenstadt. Schon in den ersten Wochen nach meinem Amtsan-tritt habe ich Gesprächsrunden eingeladen um neue Standorte für die Fiaker zu defi-nieren. Alle Argumente, die dafür gesprochen hätten, dass die Fiaker künftig zB. in der Nebenfahrbahn des Rings unter Bäumen auf potenzielle Kunden warten, wurden allerdings mit dem Argument abgelehnt, die Touristen würden diese Standorte nicht finden. Dennoch werden wir weiterhin bemüht sein, dass es hier zu positiven Lösungen kommt.

FĂĽr UnterstĂĽtzung und Anregungen, die zu einer Verbesserung der Situation fĂĽr Fia-kerpferde fĂĽhren kann, bin ich jederzeit sehr dankbar.

Mit besten GrĂĽĂźe
Ursula Stenzel e.h.
Bezirksvorsteherin


Die Fiakerpferde sind natürlich nicht nur mir als Wienerin ein Begriff - aber leider ein sehr trauriger Begriff! Zuviele Pferdekutschen, die da in der Wiener Innenstadt herumstehen; zuviel Lärm rund um die Tiere, die teilweise auf dreispurigen Straßen neben stinkenden, lauten und hupenden Autos, Motorrollern, Lkw`s, Straßenbahnen, Bussen, etc. tagein-tagaus fahren müssen.


Außerdem müssen die Tiere STUNDENLANG bei Hitze und Kälte auf ihren ungeschützten Plätzen ausharren und zusätzlich müssen den Pferden aus hygienischen Gründen noch "Windeln" umgeschnallt werden, um so den Pferdekot auf den Straßen zu vermeiden. Dass diese "Pooh-Bags" die Tiere aufscheuern und für die Pferde unangenehm sind, kann sich wohl jeder Tierfreund sehr gut vorstellen.


Endlich ist etwas ins Rollen geraten:
Im Frühjahr 2006 wurde der VGT (Verein gegen Tierversuche) auf Missstände im Bereich der Pferdehaltung von Fiakerunternehmen in Wien aufmerksam gemacht und man begann Recherchen anzustellen. Es wurden dabei schreckliche Mißstände bei der Haltung dieser armen Tiere festgestellt: die Vielzahl der Pferde verbringen ihren "Feierabend" in dunklen, muffigen Stallungen in Anbindehaltung. Einige der Ställe waren sogar in Kellern mitten im Wiener Wohngebiet untergebracht. Es fehlten Tränkevorrichtungen, die Pferde sahen abgearbeitet aus und wiesen zum Teil Fellabschürfungen von Geschirr und Kutsche auf. Auf den Liegeflächen einiger Pferde fehlte sogar Einstreu - die Tiere müssen auf dem blanken Betron oder Fliesenböden ausharren.
Mitarbeiter des VGT besuchten in den darauffolgenden Wochen 14 von 34 Fiakerunternehmen in Wien und es gelang ein recht umfassendes Bild von der Situation der Pferde in Wiener Fiakerunternehmen zu gewinnen. So wurde die Unterbringung von etwa 142 Pferden der insgesamt 320 zugelassenen Fiakerpferde begutachtet.

Erschreckend war vor allem, dass nach wie vor die Anbindehaltung von Pferden weit verbreitet ist. Gleichzeitig verfügen aber die wenigsten Unternehmen über Koppeln, die den Pferden einen freien Auslauf ermöglichen würden. 79% der besuchten Betriebe haben überhaupt keine Koppeln und 71% der besuchten Unternehmen hielten Pferde in Anbindehaltung. Es muss also davon ausgegangen werden, dass diesen Pferden der nach dem Bundestierschutzgesetz vorgeschriebene tägliche freie Auslauf vorenthalten wird.

Insgesamt liegen demnach dem VGT Daten ĂĽber 14 Fiakerunternehmen vor. Hier die zusammengefassten sehr traurigen Ergebnisse dieser Untersuchungen:
* 11 von 14 Fiakerunternehmen (79%) verfĂĽgen ĂĽber keinen Freiauslauf (also keine Koppel)
* 10 von 14 Fiakerunternehmen (71%) wurden vom VGT angezeigt
* 10 von 14 Fiakerunternehmen (71%) halten Pferde in Anbindehaltung
* Bei 6 von 14 Fiakerunternehmen (43%) kam zuwenig natĂĽrliches Licht in die Stallung
* 4 von 14 Fiakerunternehmen (29%) sind im Keller untergebracht
* 4 von 14 Fiakerunternehmen (29%) verfügten über keine Tränkevorrichtungen
* Bei 4 von 14 Fiakerunternehmen (29%) wurden an den Pferden FellabschĂĽrfungen oder leichte Verletzungen festgestellt
* 3 von 14 Fiakerunternehmen (21%) hielten Pferde ohne Einstreu

Genaue Berichterstattung, Fotos der Stallungen, Ergebnisse und Lösungsvorschläge finden Sie auf der folgenden Seite: Tierschutzbericht zu Fiakerbetrieben in Wien 2006

Als ob die Schinderei der Tiere tagsüber noch nicht genug wäre, können diese armen Pferde auch sonst keinerlei Erholung finden.
Über die Fortgänge der Beschwerden, die hoffentlich bald erreichten Erfolge der namhaften Tierschutzvereine und was diese für unsere Fiakerpferde bewirken werden wir auf dieser Seite laufend berichten !
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Datum: 11. Juli 2006
Sehr geehrte Damen und Herren!
Die Magistratsabteilung 60 ĂĽbermittelt im Auftrag von Frau Dr. Cermak eine Stellungnahme.
Mit freundlichen GrĂĽĂźen
Alexandra Eder
Magistrat der Stadt Wien, Magistratsabteilung 60
A-1030 Wien, Viehmarktgasse 5-7
E-Mail: ede@m60.magwien.gv.at
Tel.: (+43 1) 79514-97616
Fax.: (+43 1) 79514-99-97619
http://www.wien.gv.at/veterinaer
http://www.tierschutzinwien.at

Vielen Dank für Ihr Schreiben das der Magistratsabteilung 60 - Veterinäramt Wien zur Beantwortung übermittelt wurde. Gleichzeitig ersuchen wir Sie um Verständnis, dass die Beantwortung erst verspätet erfolgen kann. In diesem Schreiben sprechen Sie – die Aussendung einer Tierschutzorganisation zitierend – die Haltungs- und Arbeitsbedingungen der Wiener Fiakerpferde an.

Die Stadt Wien ist sich der Problematik vieler Pferdehaltungen, besonders jener, die bereits seit vielen Jahrzehnten bestehen, durchaus bewusst. Aus diesem Bewusstsein heraus wurde bereits im Jahre 2000 von der Wiener Landesregierung eine Verordnung über die Haltung von Pferden herausgegeben, welche innerhalb einer Übergangsfrist von fünf Jahren die Behebung der von Ihnen angesprochenen Mängel forderte.
Diese Verordnung wurde im Jahre 2005 durch das Inkrafttreten des Bundestierschutzgesetzes außer Kraft gesetzt. Die neuen Regelungen des Bundestierschutzgesetzes, BGBL Nr. I 118/2005, sehen leider keine Übergangsfristen für bauliche Maßnahmen vor, die über die Instandsetzung einzelner Elemente hinausgehen. Darüber hinaus sind die Tiere jedoch immer so zu halten, dass ihnen keine Leiden, Schmerzen oder Schäden zugefügt werden.

Sie können versichert sein, dass die zuständigen Wiener Behörden im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten weiterhin alles tun werden, um die Pferdehaltung auch in den Fiakerbetrieben laufend zu verbessern.
Erst unlängst wurden alle Fiakerbetriebe unangemeldet vom Veterinäramt auf die Einhaltung der geltenden Tierschutzbestimmungen kontrolliert.
Kontrollen an den Standplätzen werden bei Außentemperaturen von über 30 °C täglich vom Veterinäramt durchgeführt.

Bei Verstößen gegen tierschutzrechtliche Bestimmungen werden von den AmtstierärztInnen die notwendigen Maßnahmen ergriffen.

In Ihrem Schreiben führen Sie auch an, dass „sich jedes Fiakerpferd 14 Stunden/Tag
in der Stadt die Beine in den Bauch steht“.
Das Wiener Fiaker- und Pferdemietwagengesetz sieht derzeit vor, dass der Betrieb von Fiakerunternehmen vom Anschirren der Pferde bis zu ihrem Abschirren in der Zeit von 09:00 – 23:00 Uhr gestattet ist.
Das Auffahren auf die Standplätze ist in der Betriebsordnung für Fiaker- und Pferdemietwagenunternehmen geregelt bzw. eingeschränkt (z. B. dürfen täglich abwechselnd nur Kutschen mit geraden und ungeraden Fahrzeugnummern unterwegs sein.) Daraus ergibt sich, dass Fiakerpferde normalerweise nicht täglich eingesetzt werden dürfen.
Das Tierschutzgesetz sieht vor, dass Pferde innerhalb von 24 Stunden zumindest acht Stunden durchgehend ruhen mĂĽssen.

Trotz alldem stimmt die Magistratsabteilung 60 Ihnen zu, dass diese gesetzlichen Bestimmungen im Sinne des Tierschutzes weiter anzupassen sein werden.
Mit freundlichen GrĂĽĂźen
Der Abteilungsleiter:
Dr. Helga Cermak, OVetR
DW: 97636
Dr. Walter Reisp
Veterinärdirektor


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Nachstehend noch zwei weitere traurige Meldungen zu diesem Thema.
Ein Artikel betrifft zwar nicht die Fiakerpferde in Wien, jedoch ist die Situation fĂĽr Kutschenpferde auch in Salzburg und Deutschland scheinbar um kein bisschen besser.

"Fiakerpferd am Stephansplatz zusammengebrochen
Der Wiener Tierschutzverein fordert: Sonnenschutzdächer für die Fiakerpferde

„Im Zuge unzähliger Gesprächen mit Fiakerbetreibern, Vertretern der Innung, Behördenvertretern und Tierärzten habe ich mich bemüht zumindest Schattenplätze für die armen Kutschpferde durchzusetzen. Mit fadenscheinigen Argumenten wurden bislang alle unsere konkreten Vorschläge in den Wind geschlagen. Alle nur erdenklichen Belange waren wichtiger als das Wohl der armen Tiere“, ist Präsidentin Lucie Loubé empört.

Nun ist ein neuerliches Opfer zu beklagen: Am Samstag den 16. Juli 2005 ist ein Fiakerpferd am Stephansplatz zusammengebrochen.
Im Laufe der Jahre wurde mit zahllosen Protestkundgebungen und Informationsveranstaltungen des Wiener Tierschutzvereins immer wieder auf das Leid der Pferde hingewiesen.

Jedes Jahr im Sommer präsentiert sich das gleiche schaurige Bild: Als Touristenattraktion missbraucht, müssen die Fiakerpferde die brütende Hitze ertragen und sind schutzlos der prallen Sonne ausgeliefert.

Die verzweifelten Proteste von Wiener Tierfreunden, von tierfreundlichen Gästen aus dem Ausland, und die permanenten Interventionen des Wiener Tierschutzvereins werden mit fadenscheinigen Argumenten zu entkräften versucht: Wildpferde wären Steppentiere und könnten deshalb die Sonneneinstrahlung ertragen.

Tatsache ist, dass die Wiener Innenstadt klimatisch nicht mit einer Steppenlandschaft vergleichbar ist, und Wildpferde in der Steppe die Möglichkeit haben, sich frei zu bewegen. Die Fiakerpferde sind gezwungen angeschirrt an einem Fleck zu stehen und können sich aus ihrer unerträglichen Situation nicht befreien.

„Diese schreckliche Tierquälerei ist kein Renommee für Wien. Ich fordere einmal mehr alle Verantwortlichen auf, eine Entscheidung im Sinne der Tiere zu treffen und endlich dafür Sorge zu tragen, dass den Fiakerpferden zumindest erträgliche Bedingungen geboten werden“, betont Präsidentin Loubé, „die derzeitige Situation ist eine Schande für Wien.“

RĂĽckfragehinweis:
Markus HĂĽbl
Wiener Tierschutzverein
Abteilung fĂĽr Ă–ffentlichkeitsarbeit
Tel: 0043 1 699 24 50 80
Fax: 0043 699 16 60 40 06
markus.huebl@wr-tierschutzverein.org Quelle: http://www.wr-tierschutzverein.org/


UND hier noch eine Meldung aus Deutschland:

"Kutscher prĂĽgelt 4 Stunden auf sterbendes Pferd ein"
Rothenburg - Wie herzlos muß man sein, um einem Tier so etwas antun? Vier Stunden prügelte ein Kutscher auf sein Pferd ein, daß vor Erschöpfung zusammen gebrochen war. Das geschundene Tier mußte eingeschläfert werden - mitten in der Altstadt von Rothenburg ob der Tauber. Zahlreiche Touristen mußten den Todeskampf von Wallach Boss (22) mit ansehen. Sie schrieen und schimpften, Kinder weinten. Lapidarer Kommentar von Pferde-Besitzer Werner Ehnes (71): "Boss hat öfter solche Marotten, sich hinzusetzen."

Zu alt zum Kutsche ziehen
Das Pferd hatte eine Kutsche durchs mittelalterliche Zentrum der Stadt gezogen, als es zusammenbrach. Mit wüsten Beschimpfungen, Schlägen und Tritten versuchte der Kutscher stundenlang, Boss wieder auf die Beine zu bringen.

Vergebens. Das Tier hatte vermutlich einen Herzinfarkt erlitten. Mit 22 war es auch schon zu alt, um eine Kutsche zu ziehen. Ein Traktor konnte es zwar aufrichten, der Wallach sackte aber sofort wieder zusammen. Schließlich gab ein Tierarzt die erlösende Todesspritze.

Jetzt soll in Rothenburg (DE) der Kutschen-Verkehr eingeschränkt werden. Vor vier Jahren brach schon ein Zugpferd tot zusammen. Immer wieder kritisierten Bürger die "Pferde-Schinderei". Gegen Ehnes wird wegen Tierquälerei ermittelt.

Wenn Sie sich darĂĽber beschweren wollen, hier folgende Daten:

OB H. Hachtel Stadtverwaltung Rothenburg ob der Tauber
Marktplatz 1
91541 Rothenburg
Fax: 09861-404109
stadt@rothenburg.de

Quelle: http://bz.berlin1.de/aktuell/news/051021/pferd.html