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Wenn Hunde raufen


(Verhaltensregeln ĂĽber das Trennen von Hunden bei Raufereien
Autor: Michael Abelski)



Viele Bissunfälle mit Hunden entstehen „unabsichtlich“ beim Versuch, raufende Hunde zu trennen. Es ist nämlich ein häufig gemachter Fehler, sofort in den ersten Sekunden einer Rauferei mit der Hand dazwischen zu gehen. Dies bewirkt zumeist gar nichts, ausser dass man selber einen Biss abbekommt. Zwar gibt es kein wirkliches Patentrezept, wie man raufende Hunde voneinander trennt, doch aus der Erfahrung heraus lassen sich gewisse Verhaltensempfehlungen ableiten. Einen Unterschied macht es, ob Sie allein sind oder der zweite Hundehalter dabei ist.

Mehr darüber von Michael Abelski, vereidigter Sachverständiger für das Verhalten von Hunden, der Ihnen ab nun gelegentlich in WUFF interessante Themen aus seiner Arbeit vorstellen und besprechen wird (Internet: Hundegutachter.de
Zitat: "Im Rahmen meiner Tätigkeit als vereidigter Sachverständiger für das Verhalten von Hunden der Regierung von Oberbayern hatte ich schon mehrfach mit Fällen zu tun, bei denen sich Hundebesitzer bei dem Versuch, raufende Hunde zu trennen, Bißverletzungen zugezogen haben. Im Hinblick auf diese Tatsache möchte ich einige Verhaltensregeln für das Trennen von Hunden, ohne selbst dabei körperlich in Mitleidenschaft gezogen zu werden, vorstellen."

Vorweg weise ich darauf hin, daß die wichtigste Regel lauten sollte „wehret den Anfängen“, d.h., lassen Sie es erst gar nicht zu einer Rauferei zwischen den Hunden kommen. Nehmen Sie z.B. Ihren freilaufenden Hund immer an die Leine, sobald Ihnen ein Hundebesitzer mit einem Hund an der Leine begegnet. Denn diese Vorsichtsmaßnahme des fremden Hundebesitzers hat sicherlich seinen Grund!

Doch nun zum eigentlichen Thema: Wenn zwei dominante Hunde aufeinander treffen, so wird schon von weiterer Entfernung zwischen den beiden Hunden eine gewisse Spannung aufgebaut. Erkennbar für den Laien ist dies z.B. an der steifen Haltung des Hundes, der aufgerichteten Rute sowie dem gesträubten Rücken- und Nackenfell. Jetzt wäre für den Hundeführer noch Zeit einzugreifen, indem er seinen Hund zu sich ruft und an dem vermeintlichen Gegner vorbeiführt. Hat man diesen Zeitpunkt übersehen und es kommt zu einem Gerangel der beiden Hunde, so kann man jetzt nur noch versuchen, die beiden durch entsprechende Kommandos (wie z.B. „Hier“ oder „Pfui“) zu trennen. Für ein aktives Eingreifen ist es in dieser Phase, in der die Hunde versuchen, den Kontrahenten zu „packen“, meist zu spät und für die Hundeführer auch zu gefährlich, da die Hunde in dieser Situation unkoordiniert um sich beißen und nicht erkennen, ob sie den Arm oder die Hand eines Hundeführers erwischen.



Unbedingt Ruhe bewahren !
So paradox es auch klingen mag, zuallererst heiĂźt es Ruhe zu bewahren und abzuwarten, bis die beiden Raufbolde durch einen festen Griff den Kontrahenten festhalten. In diesen wenigen Sekunden muĂź zwischen den HundefĂĽhrern die Strategie des Trennens abgesprochen werden.


Eine günstige Vorgehensweise wäre wie folgt:
1. Beide HundefĂĽhrer stellen sich jeweils hinter ihren Hund.

2. In einer ruhigeren Situation der Rauferei packen beide Hundeführer, auf ein Kommando, ihren eigenen Hund mit einer Hand an einem Hinterlauf und mit der zweiten Hand am Halsband (sofern vorhanden; ansonsten mit beiden Händen an den Hinterläufen). Das wichtigste in dieser Situation ist das ruhige und gut koordinierte Zusammenspiel beider Hundeführer.

3. Um schwere Bißverletzungen bei den Hunden so gut wie möglich zu vermeiden, ist es wichtig, bei der Trennaktion zunächst nicht an den Hinterläufen bzw. am Halsband zu ziehen, sondern nur festzuhalten und zwar solange, bis die Hunde ihren Griff lockern.

4. Sobald die Hunde ihren Griff lösen, müssen beide Hundeführer zugleich ihre Hunde aus der Reichweite des anderen ziehen und dürfen auf keinen Fall den eigenen Hund loslassen. Hierbei ist es schon zu vielen Bißverletzungen sowohl bei den Hundeführern als auch bei den Hunden gekommen, da die Hunde sich nach dem Trennen aus dem Haltegriff des Hundeführers befreiten und sofort nachgebissen haben.

5. Bei manchen Hunden (hierbei sind alle Hunderassen angesprochen) kommt es jedoch vor, daß sich diese so fest im Gegner verbissen haben, daß sie nur noch durch Abwürgen (festes Zuziehen des Halsbandes) voneinander getrennt werden können. Diese Maßnahme erfordert jedoch viel Sachverstand und ist nur für äußerste Notfälle gedacht.

Was tun, wenn man allein ist?
Die bis hier geschilderten Situationen sind mit etwas guten Nerven und Geschick relativ gut von zwei erwachsenen Personen zu bewerkstelligen. Bedeutend problematischer wird es jedoch, wenn man als Einzelperson zwei raufende Hunde trennen muß. Die Vorgehensweise soll hier nur kurz angesprochen werden, da sie für den Laien sehr schwer durchführbar ist. Das Wichtigste ist es, wie unter Punkt 2) beschrieben, die Ruhe zu bewahren und abzuwarten, bis die Hunde einen festen Griff gesetzt haben. Dann muß man den weniger aktiven Hund mittels einer Leine an einen festen Punkt (z.B. Verkehrsschild, Baum, Autoanhängerkupplung. etc.) fixieren und den anderen Hund wie unter Punkt 3) und 4) beschrieben, trennen.

Keine Schmerzanwendung
Vor Schlagen und Treten der raufenden Hunde durch die Hundebesitzer möchte ich nachdrücklich warnen, da dieses die Aggression der Hunde noch steigert. Die Hunde verspüren nur den Schmerz und verknüpfen diesen mit dem Angriff des anderen Hundes, wodurch sich die Kampfbereitschaft unter Umständen noch erhöhen kann.
Des weiteren ist dieses Verhalten auch im Sinne des Tierschutzes abzulehnen. Abschließend möchte ich noch bemerken, daß die von mir beschriebenen Methoden auf persönlichen Erfahrungswerten und Informationen von professionellen Hundeausbildern beruhen. Diese Verhaltensregeln gelten daher nur als Empfehlungen und können natürlich nicht 100%ig vor Bißverletzungen schützen.

Also, die oberste und letzte Regel lautet: Größte Vorsicht beim Trennen von raufenden Hunden. Bitte unterschätzen Sie nie die eigene Verletzungsgefahr. Sicherlich gibt es noch weitere erfolgreiche Methoden, um raufende Hunde zu trennen.

Wir wĂĽnschen Ihnen natĂĽrlich, dass Sie niemals in eine solche Situation geraten !