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Wege zum kindersicheren Hund


(Autor: Achim JanĂźen)

Das Thema kann nicht ernst genug genommen werden ! Kern der Aussagen des Hundeexperten Achim Janssen ist die Aufgabe der Eltern, die Regeln fĂĽr den Umgang im SozialgefĂĽge Kind/Hund/Familie aufzustellen und darauf zu achten, dass sich sowohl das Kind als auch der Hund daran halten.

Das Zusammenleben mit Hunden kann für Kinder viele Vorteile haben. Hunde sind den Kindern Freunde, geduldige Zuhörer und Spielkameraden. Kinder können ihnen ihre Geheimnisse anvertrauen und finden Trost, wenn ihnen danach ist. Mit zunehmendem Alter können Kinder lernen, ein Stückchen Verantwortung für den Hund zu übernehmen.


Die Sozialisationsphase
Für das problemlose Zusammenleben mit Kindern ist es unbedingt erforderlich, dass der Hund bereits als Welpe auf Menschen jeden Alters - insbesondere jedoch Kinder - sozialisiert wurde (siehe Foto unten). Generell soll der Welpe während der Sozialisationsphase keine schlechten Erfahrungen machen, denn Schockerlebnisse können sich negativ auf das spätere Verhalten des Hundes auswirken. Ein mögliches Schockerlebnis für den Welpen wäre es z.B., vom Arm zu fallen. Bitte gestatten Sie es den Kindern daher nicht, einen Welpen auf den Arm zu nehmen und triumphierend damit durch die Wohnung zu laufen.




Generelle Umgangsformen mit dem Hund
Stets haben die Eltern darauf zu achten, dass der Hund von den Kindern keine Schmerzen zugefügt bekommt (An den Ohren oder am Schwanz ziehen etc.). Und bedenken Sie, dass es auch beim geduldigsten und langmütigsten Hund passieren kann, dass er „die Nase voll hat" von den ständigen kleinen Quälereien, die ihm durch die Kinder unbewusst Tag für Tag zugefügt werden. Der Hund bringt seinen Unmut dann durch Knurren zum Ausdruck. Bleibt die erhoffte Reaktion seitens der Kinder aus, weiß sich der Hund nur noch durch Beißen zu wehren. Der Hund verhält sich also aus seiner Sicht heraus völlig normal, wenn er aus „Notwehr" beißt, weil er ja auch vorher schon mehrmals gewarnt hat, was jedoch vom Kind nicht beachtet wurde. Das Verhalten der Kinder hätte bereits in den Anfängen von den Eltern dauerhaft korrigiert und stets beobachtet werden müssen.
Auch auf für den Hund bedrohlich wirkende Gesten sollten Kinder und auch Erwachsene verzichten. So wirken etwa das innige Umarmen des Hundes, das Überbeugen und das über den Kopf Streicheln auf den Hund bedrohlich und können u. U. auf längere Sicht entsprechendes Verteidigungsverhalten des Hundes auslösen. Leider kann man immer wieder Hundehalter antreffen, die schwören, Ihr Hund würde es genießen über den Kopf gestreichelt zu werden. Diesen Haltern sei ans Herz gelegt, auch auf die kleinen, unscheinbaren Signale des Hundes zu achten. Bei dem häufig zu beobachtenden „Züngeln" des Hundes (das Belecken des Nasenspiegels) drückt dieser nicht etwa aus, wie gut es ihm geschmeckt hat, sondern dass er sich in einem Konflikt befindet und in der gegenwärtigen Situation unwohl fühlt.
In den meisten Fällen kommt es glücklicherweise auch bei ständiger Nichtbeachtung oben genannter Regeln niemals zu Beißunfällen. Das sollte Sie jedoch nicht dazu verleiten, Ihrem Hund besondere Fähigkeiten und Verständnis für die jeweilige Situation „anzudichten". Andererseits kann jedoch der oben geschilderte Ausdruck des Unwohlseins der Anfang einer Entwicklung sein, aus der ein Beißunfall hervorgeht. Dessen sollte sich der Halter stets bewusst sein und sorgfältig auf das Ausdrucksverhalten des Hundes achten.

Die Hierarchie im Familienrudel
Hunde benötigen als sozial lebende Rudeltiere eine klare Hierarchie. Ist diese vorhanden, ordnen sie sich bereitwillig unter. Fehlt diese jedoch, ist der Hund bestrebt, selbst die Führung des Rudels zu übernehmen. Als höherrangig werden jeweils nur erwachsene und erfahrene Hunde bzw. Menschen akzeptiert. Kinder zählen nicht dazu!
Auch die Erziehung des Hundes gehört in die Hand der Erwachsenen, denn diese setzt eine strenge Kontinuität voraus, welche man von Kindern nicht erwarten kann.
Solange die Kinder diese Gesetzmäßigkeit nicht verstehen und durchsetzen können, sind ihnen erzieherische und insbesonders disziplinierende Maßnahmen dem Hund gegenüber zu untersagen. Oft begegnet man Kindern, die mit bereits erhobener Stimme den Hund unterzuordnen versuchen und nach mehreren Fehlschlägen sogar handgreiflich werden und den Hund schlagen. Diese „Erziehungsversuche" durch das Kind wirken nicht nur allen Bemühungen der Erwachsenen entgegen, sondern sind ein potenzieller Schritt in Richtung Aggressionsverhalten des Hundes zum Zwecke des Selbstschutzes. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass der Hund grundsätzlich, auch durch die Erwachsenen, nicht geschlagen werden darf!
Der Hund mag in unwichtigen Situationen tatsächlich das Kommando eines Kindes befolgen. In wichtigen Situationen wird er jedoch selber entscheiden, wie vorzugehen ist, und die Kommandos eines Kindes schlichtweg ignorieren. Es ist wiederum Aufgabe der Eltern, es nicht soweit kommen zu lassen. Der Hundehalter muss sich dessen bewusst sein, dass der Hund ein Kind bis zu einem bestimmten Alter und einem entsprechenden Reifegrad nicht als höherrangig anerkennt, sich also von ihm auch nicht erziehen oder maßregeln lässt!
Sobald der Hund Schwachstellen in der Hierarchie des Hunderudels erkennt, wird er in seinen Bemühungen um die Übernahme der Führung des Rudels nicht die direkte Konfrontation mit den Erwachsenen suchen, sondern den Weg des geringsten Widerstandes wählen - über das Kind! Der Leidtragende ist dabei zweifelsohne das Kind, das sich nicht gegen die Bemühungen des Hundes, im Rudel aufzusteigen, zur Wehr setzen kann. Stellen Sie daher klare Regeln für das Zusammenleben mit dem Hund auf und nehmen Sie sich ausreichend Zeit für die Erziehung des Hundes.

Weitere Einträge zu diesem wichtigen Thema sind:
- Der Einzug des Hundes in sein neues Zuhause
- Sozialisationsphase: Welpen und Kinder. Worauf soll man achten?
- Generelle Umgangsformen mit dem Hund
- Konfliktsignale beachten
- Hierarchie im Familienrudel
- Mitwirkung der Kinder an der Hundeerziehung?
- Rechtzeitig bemerken: Anzeichen für Rangordnungsstörungen.

- Die Erziehung des Hundes: Praktische Tipps.
- Die Beschäftigung des Hundes: Bestimmt auch sein Verhalten mit!
- Entscheidung fĂĽr einen bestimmten Hund: Was beachten?


Die ersten Schritte
Nach dem Einzug in sein neues Zuhause muss dem Welpen etwas Ruhe gegönnt werden. Kinder sind daher zu bremsen, wenn es darum geht, den Neuankömmling zu begrüßen und die nächsten Stunden für sich in Anspruch zu nehmen. In den kommenden Wochen ist es Ihre Aufgabe, den Welpen mit möglichst vielen Umwelteindrücken vertraut zu machen und die Kinder ausreichend mit einzubeziehen.
Besonders wichtig ist auch der regelmäßige Kontakt zu gleichaltrigen Artgenossen, wie er in gut geführten Welpenspielstunden geboten wird. Fehlen diese sozialen Kontakte und die Möglichkeiten der Auseinandersetzung, so ist der Hund später nicht in der Lage, eine normale Beziehung zu anderen Hunden aufzubauen. Ein zwar auf Kinder gut sozialisierter, auf Artgenossen aber aggressiv reagierender Hund kann daher in Gegenwart der Kinder auch für diese zur Gefahr werden.


Mögliche Anzeichen für Störungen in der Rangordnung
Oftmals werden bereits deutliche aggressive Warnsignale des Hundes als „völlig normal" missinterpretiert. Sie sollten daher umgehend fachmännischen Rat einholen, wenn der Hund Sie am Napf (Futterverteidigung) oder nach dem Wecken anknurrt oder Ihre Bewegung durch quer in den Wegstellen und Zeigen der Zähne einengt. Ratschläge anderer Hundehalter, die - an Erfahrung kaum zu übertreffen! - auf jeder Hundewiese herumlaufen (er verteidigt doch nur seinen Knochen ..), sollten Sie getrost in den Wind schlagen. Eine seriöse Analyse der Verhaltensprobleme bedarf der geschulten Beobachtung in häuslicher Umgebung. Nie ganz auszuschließen ist die auch bei intakter Rangordnung vorkommende, schmerzbedingte Aggressivität des Hundes. Diese könnte vorliegen, wenn der bisher stets verträgliche Hund neuerdings bei Berührung z.B. knurrt oder nach Ihrer Hand schnappt. Eine für insbesonders unbeaufsichtigte Kinder gefährliche Situation. Lassen Sie Ihren Hund daher regelmäßig, aber besonders bei Verhaltensänderungen, durch einen Tierarzt untersuchen.


Konfliktsignale beachten!
Durch das sorgfältige Beobachten der Verhaltensweisen des Hundes stellt man oft fest, dass diese im Widerspruch zur augenblicklichen Situation stehen. Mögliche Konfliktsignale, die man häufiger beobachten kann, sind z.B.: Gähnen, Kratzen, Schütteln des Fells, Apportieren von herumliegendem Spielzeug, aufgeregte Kläfflaute usw.
Konfliktsituationen sind im Hundealltag nicht ungewöhnlich und meist schnell bewältigt. Kann der Hund den Konflikt jedoch nicht lösen, weil er ungeachtet seiner Signale durch den Menschen immer weiter in Bedrängnis gebracht wird, gerät er in Stress. Häuft sich die Anzahl und Dauer dieser Belastungen, können Verhaltensstörungen die Folge sein, die in Beißunfällen gipfeln können.