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HALTI statt W├╝rgehalsband


Das konkrete Problem:
Sam, ein ausgewachsener Pyren├Ąen Berghund, machte es Frauchen ganz und gar nicht einfach. Aggressiv gegen├╝ber Artgenossen, gestaltete sich jeder Spaziergang an der Leine sehr abenteuerlich. Mit der Zeit wurde der Kettenw├╝rger durch den Stachelw├╝rger ersetzt, und Frauchen hatte sich bereits seit langem damit abgefunden, nur noch reagieren statt agieren zu k├Ânnen. Schlie├člich war sie kaum noch in der Lage, die notwendige Kraft aufzubringen, Sam zu halten, wenn ein Artgenosse in Sicht war. Kein Wunder, denn Sam verkn├╝pfte den ├╝ber den Stachelw├╝rger zugef├╝gten Schmerz stets mit seinen Artgenossen. Das war nicht gerade f├Ârderlich, ihnen gelassener gegen├╝ber zu treten, sondern bewirkte eher das Gegenteil. Wir beschlossen, Sam zuk├╝nftig am Kopfhalfter zu f├╝hren.




Alternative zu W├╝rgehalsb├Ąndern
Das Kopfhalfter, auch ÔÇ×Halti" genannt, wird leider noch immer h├Ąufig mit einem Maulkorb verwechselt, weshalb dieses dem Kopfhalter des Pferdes nachempfundene Erziehungshilfsmittel ein weitestgehend stiefm├╝tterliches Dasein fristet. Einmal angewendet, ist es dem Hundehalter dagegen in vielf├Ąltiger Weise von gro├čem Nutzen und stellt eine schmerzfreie, wirkungsvolle Alternative zu Ketten- und Stachelw├╝rgern dar.
Anfangs empfand Sam das Kopfhalfter - wie die meisten seiner Artgenossen - zun├Ąchst als l├Ąstigen Fremdk├Ârper, den er mit den Pfoten abzustreifen versuchte. Eine Gew├Âhnung an das Halfter sollte daher stets individuell unter fachkundiger Anleitung erfolgen.
Erfahrungsgem├Ą├č erstreckt sich der Zeitraum der Gew├Âhnung ├╝ber die Dauer eines Tages bis hin zu mehreren Wochen, weshalb man auch dann nicht voreilig aufgeben sollte, wenn man ein besonders uneinsichtiges, hartn├Ąckiges Hundeexemplar vor sich hat.


Wieder unter Kontrolle
Nach dem Abschluss der Eingew├Âhnungsphase wurden mit Sam zahlreiche Hundebegegnungen trainiert, um der Halterin den praktischen Umgang mit dem Hilfsmittel erl├Ąutern zu k├Ânnen. Aggressivit├Ąt an der Leine entstand grunds├Ątzlich sofort, nachdem Sam einen Artgenossen erblickt hatte, der sich bereits f├╝r das individuelle Empfinden von Sam zu sehr angen├Ąhert hatte. Mittels Kopfhalfter war es f├╝r die leidgeplagte Halterin ohne Schwierigkeiten m├Âglich, den Blickkontakt Sams zum Objekt seiner Aggressivit├Ąt ohne Schmerzeinwirkung zu unterbrechen und Sam ein alternatives Verhalten ausf├╝hren zu lassen (z.B. Aufbau von Blickkontakt zum Halter, Sitz, Platz oder Ber├╝hren der Hand mit der Schnauze), welches sie belohnen konnte. Das f├╝r den Hund schmerzhafte Leinenzerren hatte fortan ein Ende, und die Halterin war wieder in der Lage, die Situation zu kontrollieren und zu agieren, anstatt reagieren zu m├╝ssen.
Beim Kopfhalfter handelt es sich um ein vor├╝bergehend eingesetztes Erziehungshilfsmittel. Im Idealfall wird der Hund in weiterer Folge, auch ohne am Kopfhalfter gef├╝hrt zu werden, das Alternativverhalten von sich aus zeigen, sobald er einen Artgenossen erblickt. Doch bis Hund und Halter dort angelangt sind, ist es ein langer Weg, der Konsequenz und vielfache Wiederholungen erfordert, bis sich das Erlernte stabil etabliert hat.


F├Ârdert Vertrauen und Sicherheit
Der Hund lernt au├čerdem seinem Halter mehr Vertrauen entgegenzubringen, denn schlie├člich beweist dieser mit dem richtigen Einsatz des Kopfhalfters neue F├╝hrungsqualit├Ąten. ├ängstlichen Hunden wird durch den Einsatz eines Kopfhalfters Sicherheit vermittelt, da der Halter, mit der Zeit selbstsicherer geworden, stets Herr der Lage ist und sich diese Sicherheit auch auf den unsicheren Hund ├╝bertr├Ągt.
Schlie├člich sei hier noch an die chronischen Leinenzieher unter den Hunden gedacht, deren Herrchen oder Frauchen an einem ausgestreckten Arm zu erkennen sind, dem zu folgen der Rest des K├Ârpers Schwierigkeiten hat. Diese Hunde haben mit der Zeit gelernt, dass es sich lohnt zu ziehen, auch wenn man dadurch schlechter Luft bekommt. Das Ziel des Hundes, eher an Punkt B zu sein um dort schn├╝ffeln oder einen Artgenossen begr├╝├čen zu k├Ânnen, ist selbstbelohnend.
Aufgrund seiner zahlreichen Vorteile ist die Nutzung des Kopfhalfters der Schmerz zuf├╝genden Nutzung von W├╝rge- oder Stachelhalsb├Ąndern vorzuziehen, deren Erfolge nur von kurzer Dauer sind und deren Einsatz sich meistens ├╝ber das ganze Hundeleben hinweg erstreckt.



Vorw├Ąrts gehtÔÇÖs nur ohne Ziehen.....
Einmal am Kopfhalfter gef├╝hrt, sind Hunde nicht mehr in der Lage, mit der beim bisherigen Zerren gewohnten Kraft ├╝ber ihre Schnauze auf das Halfter einzuwirken und somit die Richtung und Geschwindigkeit vorzugeben. Bei Krafteinwirkung des Hundes ist es auch eher k├Ârperlich schw├Ącheren Haltern ohne nennenswerten Kraftaufwand m├Âglich, sofort anzuhalten und den Spaziergang erst fortzusetzen, wenn der Hund seinen Widerstand aufgegeben hat, oder einen Richtungswechsel einzuleiten. Der Hund lernt mit der Zeit, die notwendige Konsequenz vorausgesetzt, dass es nur vorw├Ąrts geht, wenn er nicht an der Leine zieht. Einmal an diesem Punkt angelangt, kann man das Kopfhalfter getrost weglassen.


!! W I C H T I G !!
Benutzen Sie das Kopfhalfter nur mit kurzer Leine, um Verletzungen im Halswirbelbereich des Hundes zu vermeiden. Aus dem selben Grund ist auch ein ruckartiges Zerren an der Leine zu unterlassen. Der Hundeverhaltensexperte Dr. Roger Mugford empfiehlt daher bei Anwendung des Halfters ÔÇ×Halti" idealerweise die Verwendung zweier Leinen, von denen eine am Kopfhalfter, die andere am Halsband oder Brustgeschirr befestigt ist. Mit der Leine am Halfter erfolgt quasi die ÔÇ×Feinjustierung".




(Autor Achim Jan├čen)